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Die aktuellste Ausgabe der ad rem ist am 01.07.2009 erschienen.
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Zur Sache!
Editorial 19.2009
Von Antje Meier*
In der heutigen Gesellschaft fällt es immer schwerer, sich selbst eine eigene Identität zu schaffen. Dabei spielen Reizüberflutungen durch Konsumgüter und Medien keine zu unterschätzende Rolle. Doch noch wichtiger sind plötzliche, einschneidende Ereignisse.
Weniger plötzlich, eher zäh, aber dafür absolut einschneidend, ist die Aberkennung des Weltkulturerbetitels für die Dresdner durch die UNESCO vergangene Woche. Plötzlich sind wir kein Weltkulturerbe mehr.
Was nun? Dresden ohne Weltkulturerbe? Das schlimmste Szenario ist eingetreten. Auch beten und betteln der CDU-Meisterin hat nichts mehr geholfen. Damit scheint die Welt dem Untergang und Verfall geweiht. Aber halt, einen Trost gibt es ja noch: Wir sind immerhin noch Papst.
Und sonst so?
Was bleibt, ist in den nächsten Wochen die Nase in die Bücher zu stecken – vielleicht findet sich, neben prüfungsdienlichen Fakten, sogar der ein oder andere identitätsstiftende Funken. Wenn das nichts hilft, bleibt, neben dem kulturellen Brückenbau, immer noch der Sport: Die Paddel stehen schon bereit.
*studiert Germanistik und Geschichte an der TU Dresden im Endstadium; bei „ad rem“ seit Oktober 2006, Kinoressortleiterin seit Oktober 2007.
[Foto: Amac Garbe]
(In „ad rem“ 19.2009 vom 01. Juli, Seite 1)
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Alles nur geklaut?
Wie an der TU Bergakademie Freiberg nach studentischen Plagiaten gefahndet wird
Von Sarah Richter
Früher mußte sich der gerissene, aber denkfaule Student beim Kopieren fremder Texte noch die Mühe des Abtippens machen.
Heute braucht er nur noch die „Copy- & Paste”-Funktion seines Rechners zu benutzen – und schon ist die nächste Hausarbeit fix und fertig. Ganz so einfach machen es sich allerdings nur die wenigsten Studenten. Trotzdem kommt es immer mal wieder vor, daß „Plagiate”, also die nicht gekennzeichnete Übernahme fremder Texte, in wissenschaftlichen Arbeiten auftauchen.
Seitens der Hochschulen ist dieses Problem bekannt, im Bundesland Baden-Württemberg droht den abkupfernden Studenten seit kurzem sogar die Exmatrikulation.
Software findet in einem Drittel
der Arbeiten kopierte Netztexte
Um derartigen Fälschungen auf die Schliche zu kommen, werden auch an der TU Bergakademie Freiberg spezielle Programme genutzt, die Plagiate aufspüren sollen. „Wir nutzen in besonderen Verdachtsfällen eine Software zur Entdeckung von Plagiaten”, betont Dr. Anja Geigenmüller vom Lehrstuhl für Marketing und Internationalen Handel. „Wir legen jedoch Wert darauf, Studenten so in das wissenschaftliche Arbeiten einzuführen, daß ihnen das Problem des Plagiats bewußt ist.” Prof. Silvia Rogler vom Lehrstuhl für Rechnungswesen und Controlling ergänzt: „Wir nutzen derartige Programme konsequent seit 2008. Problematisch ist, daß diese nur Übernahmen erkennen können, die online verfügbar sind. Deshalb werden auch noch manuell Bücher kontrolliert, wenn ein Verdacht besteht.”
Eine sorgfältige Nachkontrolle erweist sich ohnehin als notwendig, wie Eva-Maria Kühn, BWL-Studentin an der Berguni, im Rahmen einer Studie herausfand. Mithilfe eines Plagiatsfinder-Programms wertete sie 235 studentische Arbeiten aus und stellte fest, daß mehr als ein Drittel der Arbeiten über fünf Prozent kopierte Textstellen aus dem Internet enthielten. Allerdings unterschied die Software nicht zwischen echten und „falschen” Kopien, wie Zitaten und ähnlichem. Dies müßten dann die Lehrkörper der Bergakademie prüfen.
Naturwissenschaftler
können nicht kopieren
Anders sieht es in den Technik- und Naturwissenschaften aus. Hier werden keine speziellen Plagiatsfinder eingesetzt, denn „die Studenten müssen immer eigene Messungen machen, die wir auch überwachen, da kann man schwierig nur abschreiben oder übernehmen”, berichtet Dr. Regina Hüttl vom Institut für Physikalische Chemie. Zudem, sagt Dr. Undine Fischer vom Institut für Keramik-, Glas- und Baustofftechnik, seien die studentischen Arbeiten meist Bestand der aktuellen Forschung mit hohem Neuheitswert.
Zur Karikatur: Billiges Kopieren und Nachmachensind nun wohl leider endgültig vorbei …
[ Karikatur: Norbert Scholz]
(Titelstory in „ad rem“ 19.2009 vom 01. Juli, Seite 1 & 2)
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Aufbruch zur roten Insel
Dresdner Student leistet Entwicklungshilfe auf Madagaskar
Von Franziska Hendreschke
Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.
Im Falle von Konrad Menzel gibt es aber bereits vor der Abreise ausreichend Gesprächsstoff, denn das Vorhaben des 22jährigen Maschinenbaustudenten ist nicht nur aufgrund des Reisezieles außergewöhnlich. Neun Monate lang wird der gebürtige Bautzner ein Entwik-klungshilfeprojekt in der Gemeinde Anjahambe auf Madagaskar unterstützen. „ad rem“ hält seine Erfahrungen für Euch fest.
Malagasy lernen, Spenderkreis aufbauen, Vorbereitungsseminar … – der Terminplan von Menzel ist derzeit proppevoll, denn Anfang Juli bricht er in Richtung Indischer Ozean auf. Dann wird er im Rahmen von „weltwärts“, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und „arche noVa – Initiative für Menschen in Not“ nach Madagaskar entsandt.
„Durch ’weltwärts‘ können sich junge Menschen wie ich auch ohne das nötige Kleingeld an Entwicklungshilfe beteiligen“, berichtet Menzel. So unterstützt das Programm 75 Prozent des Projektes, die restlichen 25 müssen durch einen Spenderkreis gedeckt werden – in Dresden der rührige Verein „arche noVa“.
In wenigen Tagen schon heißt es also Hilfe zur Selbsthilfe stiften, denn Aufklärungsarbeit gehört ebenso zum Projekt wie das eigentliche Anpacken. So wird Konrad nicht nur bei der Aufforstung abgeholzter Regenwaldgebiete und dem Anbau von Gemüse helfen, sondern auch Klassen unterrichten – und ganz nebenbei einen kleinen Kulturschock verarbeiten müssen. „Meine Hütte muß ich mir erst noch bauen“, erzählt er mit einem Lächeln.
Die Vorfreude auf die durch Lateritböden rotgefärbte Insel und vor allem auf die afrikanische Kultur überwiegt aber: „Wir können viel von diesen Menschen lernen, denn trotz ihrer Armut sind sie uns im Bezug auf ihr gesellschaftliches Zusammenleben viele Schritte voraus.“ Darüber lest Ihr bald mehr.
Netzinfos: www.arche-nova.org
Zum Foto: Konrad Menzel reist für „arche noVa" weltwärts gen Madagaskar.
[ Foto: Amac Garbe]
(In „ad rem“ 19.2009 vom 01. Juli, Seite 2)
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Jeden Morgen eine gute Tat
„Critical Mass“ – mindestens 15 Studierende radeln in Dresden täglich gemeinsam zur Uni
Von Marie Guttowski
In einer Gruppe fährt man nicht nur sicherer, sondern auch entspannter mit dem Fahrrad zur Uni.
Das finden Martin Lechleitner, Nordamerika-Student, und Marko Dietz, Student der Chemie an der TU Dresden studiert. Trotz des verfänglichen Regens bis acht Uhr stehen sie nun gemeinsam mit anderen Radfahrern am Albertplatz und warten, bis sie 15 Teilnehmer sind, damit sie laut Straßenverkehrsordnung einen Verband bilden und so eine ganze Fahrbahn für sich beanspruchen können.
Die Aktion wirbt für sich selbst
Auf die Frage, wer dies denn alles organisiert, sind sich alle einig: Es gibt keinen Organisator, die Radfahrer treffen sich autonom, wann es los geht, wird durch Mundpropaganda weitergetragen. Prospekte und Plakate, auf denen die notwendigen Infos stehen, werden von jedem, der Lust hat, entworfen, verteilt und geklebt. So schützen sich alle vor polizeilicher Zugriffsgewalt, denn sobald es einen Veranstalter gibt, müßte man die Aktion jedes Mal neu als Demonstration anmelden, erklären die Studierenden der TU Dresden.
Schmerzhafte Erfahrungen mußten die Leipziger „Critical Massler“ am 29. Mai machen, als die Polizei vor Ort die Organisationsform „Verband“ in ihrem Wortschatz nicht vorfand und die Aktion mit Gewalt beendete. Derlei Vorfälle gab es in Dresden bislang nicht, die Dresdner Polizei und auch die Öffentlichkeit gewöhnen sich langsam an den Anblick der kritisch radelnden Masse: „Polizisten sahen wir bisher nur vereinzelt und die hielten sich immer zurück. Autofahrer hupen ab und an und so mancher Fußgänger gibt den Hinweis, doch auf dem Radweg zu fahren“, erklärt Lechleitner grinsend. Marko Dietz erzählt, wie sie auch schon Flyer an Autofahrer verteilt haben, um aufzuklären und das Verständnis für die Radfahrer zu erhöhen. Langfristig wünschen sich die beiden Teilnehmer, daß Radfahrer aktiver in die lokale Verkehrsplanung eingebunden werden.
Gemeinsam statt einsam
Der Lehrstuhl für Verkehrsökologie der TU Dresden unterstützt und wirbt ebenfalls für die Aktion. Mitarbeiterin Julia Friedmann erklärt, daß durch derlei Aktionen die zunehmende verkehrspolitische Konzentration auf den Autoverkehr im Dresdner Stadtrat beeinflußt werden kann.
Dafür müssen aber noch mehr Leute mitmachen, findet auch Marko Dietz: „Wenn die Leute ihr Ego zurückstellen, könnten wir das individuelle Ärgernis über schlechte Radwege und aggressive Autofahrer gemeinsam in etwas Positives umwandeln. Außerdem sind wir im Verband höchstens zwei Minuten langsamer.“
Mittlerweile haben sich genügend Mitradler eingefunden, man begrüßt sich wohlwollend und erste Gesprächsfäden sind wahrzunehmen – trotz der morgendlichen Stunde. „Es ist wirklich ein sehr entspanntes In-die-Uni-Kommen, bei dem man viele neue Leute kennenlernt“, findet Martin Lechleitner. „So kann man jeden Morgen ein gute Tat vollbringen und das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden“, ergänzt Marko Dietz, bevor sie sich samt kritischer Masse um 8.55 Uhr gen Uni in Bewegung setzen. Heute sind es genau rechtlich korrekte sechzehn Starter.
Zum Foto: Die kritische Radelmasse beim Start am Albertplatz. Genau 16 TU-Studenten zuckeln von der Neustadt zum Campus. Auch Martin Lechleitner.
[ Foto: Amac Garbe]
(In „ad rem“ 19.2009 vom 01. Juli, Seite 4)
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