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Zur Sache!

Editorial zur Ausgabe 04.2010 vom 3. Februar

Von Johannes Schüller *

Der Schnee hört nicht auf. Nach Tief „Daisy“ kam Tief „Keziban“. Welche Wetterunbilden uns im Februar heimsuchen, bleibt natürlich ungewiss. Geradezu marginal erscheint die Flockenflut gegenüber dem, was vor bald 65 Jahren von Dresdens Himmel regnete. Am 13. und 14. Februar versank „Elbflorenz“ in Trümmern und Feuer. Seit fünf Jahren steht die Frauenkirche wieder. Und seit 20 Jahren steht das Erinnern an die Zerstörung Dresdens inmitten politischer Debatten, die von ganz rechts bis ganz links reichen. Auch wer als Wahldresdner den 13. Februar nur im Hörsaal wahrnimmt, kommt an den politischen Schatten nicht vorbei. Mit Hausdurchsuchungen in den Büros der Dresdner und Berliner „Linken“ kochte das Thema bereits im Januar hoch. Demonstriert wird nun auf beiden Seiten trotzdem.

Auch 2010 dürfte sich das Gedenken also irgendwo zwischen NPD-Slogans und „Bomber-Harris, do it again“-Rufen bewegen. Dresdner, die in den Luftschutzkellern die Phosphorbomben detonieren hörten, muss das grotesk erscheinen. Auch Phosphorbrände ließen sich nicht einfach mit Wasser löschen.

[* studiert im siebten und wirklich letzten Semester Germanistik und Geschichte an der TU Dresden, bei „ad rem“ seit Sommersemester 2007 ]

[ Foto: Amac Garbe]

(In ad rem 04.2010 vom 3. Februar, Seite 1)




Grundschulmasterdesaster

Lehramtsbachelor-Absolventen der TU Dresden sehen ungewisser Zukunft entgegen

Von Laura Grocholl

Die Studierenden des Lehramts-Bachelor für „Allgemeinbildende Schulen“ an der TU Dresden fordern ausreichend Masterplätze – denn die Zeit drängt. Für die ersten Absolventen des Studiengangs „Bachelor of Education“ für Allgemeinbildende Schulen (LA-BA ABS) mit der Option Grundschule an der Technischen Universität Dresden (TUD) wird es langsam brenzlig. Viele von ihnen wissen nicht, wie es nach ihrem Abschluss in diesem Jahr weitergehen soll.

Pauker ohne Lehrberechtigung

Der wechselhaften Hochschulpolitik und den chaotischen Umständen bei der Umsetzung des neuen Studiensystems sei dank wissen sie noch immer nicht, ob sie mit einem Masterstudium planen können. Nicht, dass es an Noten oder begrenzten Masterplätzen hängen würde – der Masterstudiengang Grundschule wird an der TUD schlichtweg nicht angeboten. Wohl aber – und das schon seit drei Jahren – der Studiengang „Bachelor of Education“, dessen Abschluss allein die Absolventen nicht befähigt, den Schuldienst an staatlichen Schulen aufzunehmen. Der „Bachelor of Education“ liefert allenfalls „Hilfslehrer“, die ohne Staatsexamen weder Lehrbefähigung noch ausreichend didaktische Vorkenntnisse erwerben. Im Gegensatz zum alten Lehramt erfolgt die Spezialisierung in Grundschul-, Mittelschul- oder Gymnasiallehramt erst im Master-Studiengang. Die ehemalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) trieb die Einführung des Grundschul-Masters in Dresden noch voran. Sie führte mit den verantwortlichen Stellen der TUD Gespräche, die einem Startschuss gleichkamen.

Aufbruch ohne Anfang

Dr. Rainer Riedel, Experte für Bildungspolitik und Lehrbeauftragter an der TUD, erklärt: „Es hieß, wir könnten alles vorbereiten, um die Masterausbildung in Dresden für das Lehramt Gymnasium, Grund- und Mittelschule anzubieten.“ Doch genau diese Planung könnte umsonst gewesen sein, denn die Pressestelle der neuen sächsischen Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) lässt verlauten, dass es sich „um mündliche Signale handelte, die nicht vertraglich vereinbart wurden.“ Aus der Hochschulvereinbarung von 2003 zwischen den Universitäten Leipzig und Dresden geht hervor, dass der „Master of Education“ für die Bereiche Grund- und Mittelschule in Leipzig angeboten werde. Trotz der bisherigen Hoffnung auf ein Bleiben in Dresden sieht es nun für einige nach einem Umzug nach Leipzig aus. Ob die Leipziger Kapazitäten allerdings ausreichen, bezweifelt Riedel: „Es gibt in Leipzig zu wenige Plätze und die Betreuung der Studenten wird sich verschlechtern.“

Baldige Leerstellenflut

Burkhard Naumann, stellvertretender Sprecher der Studentenvertretung des Zentrums für Lehrerbildung (ZLSB), Mitglied der Initiative Grundschule und selbst Lehramtsstudent (LA-BA ABS) im fünften Semester an der TUD kritisiert die Haltung des Wissenschaftsministeriums, das an der Hochschulvereinbarung von 2003 festhalten wolle. Diese besagt, dass Doppelstrukturen vermieden werden sollen. „Die Lehrerausbildung in Sachsen im Bereich Master für Grund- und Mittelschule an einen Standort zu fesseln, kann aber praktisch gar nicht funktionieren“, sagt Naumann und zitiert die Prognosen des Kultusministeriums, die einen enormen Lehrermangel prophezeien: „Die aktuellen Zahlen sind mit der veralteten Hochschulvereinbarung nicht kompatibel.“
Die ZLSB-Studentenvertretung, der Sächsische Lehrerverband und die Initiative Grundschulmaster wollen Schorlemer mit einer Unterschriftensammlung zur Einrichtung eines Grundschulmasters an der TUD auffordern. „Wir sind bemüht, in den nächsten Wochen eine Lösung zu finden“, sagte die Ministerin und signalisierte Verhandlungsbereitschaft. Am Donnerstag (4.2.) wolle sie sich mit Vertretern der Initiative treffen.

LEHRAMTSMASTERDESASTERFAKTEN.

„Altes Lehramt“: Bis 2007 auch an der TUD angebotener Studiengang, der die Absolventen mit dem ersten Staatsexamen an die Schulen entließ. Nach dem Referendariat musste das zweite Staatsexamen abgelegt werden. Die Spezialisierung auf eine Schulart – Grund-, Berufs-, Mittelschule oder Gymnasium – erfolgte bereits zu Beginn des Studiums.
„Bachelor of Education“: Lehramtsbezogener Bachelor-Studiengang für Allgemeinbildende Schulen. Die Spezialisierung in Grund-, Mittelschule oder Gymnasium erfolgt im Master-Studiengang.
ZLSB: Zentrum für Lehrerbildung und Schul- und Berufsbildungsforschung (Zellescher Weg 20). In diesem Gremium sind Studierende aller lehramtsausbildenden Fakultäten, um als Helfer und Ansprechpartner zu fungieren.
Unterschriften: Die Unterschriftenlisten gibt es im ZLSB, in der TU-Studentenratsbaracke und im Internet. Netzinfos: www.studentenvertretung.de.vu

Zum Foto: Damit es in Sachen Lehramtsmaster nicht gänzlich finster wird, rufen Veronika Burkhardt, Susi Riedel, Burkhard Naumann, Magda Piesch und Julia Möckel (v. l.) zur Unterschriftensammlung auf.

[ Foto: Amac Garbe ]

(Titelstory in ad rem 04.2010 vom 3. Februar, Seite 1 & 2)




Buch her, oder Du zahlst!

Für notorische Leihfristübertreter in der Landesbibo wird es teuer

Von Jana Schäfer

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erhöht ab Februar die Verzugsgebühren – um den Ausleihbetrieb zu verbessern.

Für manche Bibliotheksnutzer scheint das Wort „Entleihungsfrist“ nicht zu existieren, doch das wird sich vielleicht bald ändern, wenn die SLUB zum 1. Februar die Verzugsgebühren erhöht.
„Einige Benutzer erkaufen sich gegen kleines Geld zusätzliche Leihfrist“, begründet Dr. Achim Bonte, Stellvertreter des Generaldirektors der SLUB, die Erhöhung, „die Gebührenanpassung soll die Rückgabedisziplin verbessern und erfolgt im Interesse unserer überwiegend verantwortungsbewusst handelnden Benutzer.“ Bonte erklärt die Erhöhung als Gewinn für die Studenten: „Besonders stark benutzte Bestandssegmente können künftig zuverlässiger zur Verfügung stehen.“ Ein Fortschritt, angesichts der Tatsache, dass 2009 jeder zwölfte Ausleihwunsch nicht sofort bedient werden konnte. Den einzigen Nachteil sieht Bonte demnach für unorganisierte Benutzer, oder solche, die ihren Kommilitonen absichtlich Bücher vorenthalten.

Zudem möchte das neue Gebührenmodell gerecht sein, der Einstieg ist sanft: Geringfügig überzogene Fristen sind mit einem Euro pro Buch noch günstig, ab dem 3. Tag nach Leihende wird die Unachtsamkeit mit drei Euro pro Buch bestraft. Ab dem 13. Verzugstag kostet es sechs Euro – zehn Tage danach steigt die Gebühr um weitere sechs Euro. Nach diesem Schema geht es munter weiter bis zum Maximalbetrag von 30 Euro.

Kritik an dem Modell findet Bonte zu verfrüht. Die SLUB müsse die Verantwortung für das gewählte Modell tragen und werde den Erfolg selbstverständlich messen, erklärt der Generaldirektor. Sollte der Erfolg nicht eintreten, verweist Bonte darauf, dass die Bibliothek ihre Benutzungsregeln konsequent veränderten Rahmenbedingungen anpassen werde.

Zur Karikatur: Ab 1 000 Jahren Fristüberschreitung werden die Gebühren glücklicherweise gestundet.

[ Karikatur: Norbert Scholz]

(In „ad rem“ 04.2010 vom 3. Februar, Seite 2)




Windige Uni

Freiberger basteln am Forschungswindrad

Von Sarah Richter

An der TU Bergakademie Freiberg wird an einem Forschungswindrad getüftelt.

Allerdings steht weniger die alternative Stromerzeugung im Mittelpunkt, sondern das Rad als Forschungs- und Entwicklungsobjekt des studentischen Vereins „Uni-Wind Freiberg“.
Der wurde vor zwei Jahren gegründet und hat 15 Mitglieder, davon sind elf Studenten. „Die Idee entstand aus der Vorlesung ‚Wind- und Wasserkraftanlagen‘ bei Professor Christian Brücker“, erzählt der 28-jährige Alexander Kaiser, Maschinenbaustudent und Vereinsvorsitzender. „Das Ziel war, die in den Vorlesungen erlernten Theorien praktisch umsetzen zu können.“

So wurde am Lehrstuhl für Mechanik und Fluiddynamik mit finanzieller Unterstützung der Uni-Stiftung der Verein gegründet, der derzeit am dritten Windradmodell baut und das in diesem Jahr in großem Maßstab umsetzen will. „Unsere Idee ist eine ausfahrbare Konstruktion auf dem Dach der Maschinenhalle. Damit können wir Reparaturen in der Halle durchführen und das Rad auch vor heftigen Witterungseinflüssen schützen“, so Kaiser. „Unser Windrad wird vertikal gelagert und damit unabhängig von der Windrichtung sein.“

Das Know-how wächst stetig, und Studenten haben die Möglichkeit, ihre Studienarbeiten im Verein anzufertigen: Gefragt sind konstruktive Vorschläge für die Lagerung, Materialauswahl, die Form der Rotorblätter oder Probleme der Schwingungsentkopplung. Wen dies interessiert, der kann von Montag bis Mittwoch mittags einen Blick ins neue Vereinsbüro (Weißbachbau, Raum 117) werfen.

Materielle Unterstützung bekommt der Verein von Firmen, die in ganz Sachsen im Kleinkraftwindanlagenbau tätig sind. Auch gibt es rechtliche Unterstützung durch eine Kanzlei, denn gleich zu Beginn mussten die Mitglieder eine unschöne Erfahrung mit dem deutschen Patent- und Urheberrecht machen. „Seitdem lassen wir alles absegnen“, erklärt der 21-jährige Schatzmeister Erik Hauptvogel. Die Internetseite wird derzeit mit Studenten des „Network Computing“ überarbeitet und berichtet bald von den Fortschritten.

Zum Foto: Die Studenten Alexander Kaiser (28), Erik Hauptvogel (21) und Erik Göhler (29) am Windkanal, wo das Windradmodell getestet wird, bevor es sich, in größerem Maßstab bald auf dem Dach der Maschinenhalle drehen soll.

[ Foto: Sarah Richter]

(In „ad rem“ 04.2010 vom 3. Februar, Seite 5)




Komm' doch mal zur Sache!

„ad rem“-Mitarbeit im Sommersemester 2010 gewünscht?

Du hattest schon immer Lust, in den zeitfixierten Alltag einer jugendfrischen Wochenzeitung einzutauchen?
Wir bieten im Sommersemester 2010 wieder zwei Plätze für ein studienbegleitendes REDAKTIONSPRAKTIKUM, ausgerichtet als direkte Assistenz der Dresdner Chefredaktion.

Zudem suchen wir wieder geeignete freie Mitschreiberinnen und Mitschreiber
– insbesondere als

CampusreporterInnen
für die Standorte DRESDEN, GÖRLITZ, FREIBERG und ZITTAU


Unser Angebot richtet sich an interessierte Studierende aller Fachrichtungen und aller Hochschulen, journalistische Vorkenntnisse sind vorteilhaft, aber keine Bedingung.

Wir bieten die Möglichkeit, das „Zeitungsmachen” von Grund auf mitzuerleben. Dies ist garniert mit der aktiven Gestaltung der größten regionalen Hochschulzeitung Deutschlands in ihrem 21. Wintersemester und der wöchentlichen Veröffentlichung in rund 18 000 Exemplaren an vier Hochschulstandorten in Sachsen.

Wenn Du Dich also begabt bis berufen fühlst, dann sollte einer zeitnahen, aussagekräftigen Bewerbung (bitte mit tabellarischen Lebenslauf, kurzem Motivationsschreiben und evtl. Arbeitsproben) nichts im Wege stehen.

Eine Einarbeitung mitsamt Mentoring unsererseits ist selbstverständlich.

Nachfragen und Bewerbungen bitte per Mail an:

redaktion@ad-rem.de

oder per Post an:

Hochschulzeitung “ad rem”
Chefredaktion
Büro 029
Ostra-Allee 18
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